10.04.2010 12:37

Eltern dürfen ihren Sohn "Djehad" nennen

Djehad als männlicher Vorname – Kindeswohlgefährdung oder unbedenkliche Ausübung des Elternrechts?

Eltern dürfen ihren Sohn „Djehad“ nennen.

Ein Standesamt in Berlin lehnte die Eintragung des Namen „Djehad“ ins Geburtenbuch ab.
„Djehad“ bedeute „Heiliger Krieg“, der Begriff sei in Deutschland nach den Terroranschlägen vom 11.09.2001 stark negativ geprägt. Die Benennung eines Kindes mit diesem Namen stelle eine Gefährung des Kindeswohls dar.

Das Kammergericht hat mit Beschluß vom 30.06.2009, AZ 1 W 93/07, wie bereits zuvor das LG Berlin (AZ: 84 T 444/06) und das Amtsgericht Schöneberg (AZ: 70 III 110/06), den Namen „Djehad“, auch „Djihad“ oder „Dschihad“ als unbedenklich und mit dem Kindeswohl vereinbar angesehen.

Bei dem Begriff Djehad handele es sich um eine im Arabischen auch als männlicher Vorname gebräuchliche Bezeichnung für eine religiöse Pflicht der Gläubigen zu einem geistigen und gesellschaftlichen Einsatz für die Verbreitung des Glaubens. Erst im weiteren Verlauf der islamischen Religionsgeschichte seien weltliche Kämpfe und Kriege zum Djehad hochstilisiert worden.

Der Gebrauch des Wortes als Vorname sei vor diesem Hintergrund keinesfalls als verunglimpfend oder anstößig anzusehen.

Dass aktuell religiöse Fanatiker und Terroristen den Begriff „Djehad“ im Sinne eines bewaffneten Kampfes gegen Ungläubige, auch mit den Mitteln des Terrorismus, verstehen und verwenden, ändere daran nicht. Auf mögliche Motive der Namenswahl der Eltern komme es nicht an, sondern lediglich auf den konkret gewählten Namen.
Selbst eine mögliche Stigmatisierung bei späterem Schulbesuch rechtfertige eine Einschränkung des Rechtes der Eltern, den Vornamen für ihr Kind zu bestimmen, nicht. Gerade in der Schule sei es pädagogische Aufgabe der Lehrer, einer drohenden Stigmatisierung entgegenzuwirken.

Silke Bienert, Rechtsanwältin

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