25.09.2012 16:53

Unfallschaden: abnehmbare Anhängerkupplung

Eine abnehmbare Anhängerkupplung muss, auch wenn sie nicht benutzt wird, nicht demontiert werden. Bei einem Unfall ergeben sich hierdurch keine Nachteile bei der Schadensregulierung.

Einem hartnäckig wiederkehrenden Gerücht zufolge muss eine abnehmbare Anhängerkupplung dann, wenn sie nicht benutzt wird, auch tatsächlich vom Fahrzeug demontiert werden, da ansonsten bei einem Unfall dem Halter bzw. Fahrer des mit der Anhängerkupplung versehenen Fahrzeugs ein Mitverschulden zugerechnet werde, so dass gegebenenfalls auch dann, wenn eigentlich das Verschulden klar alleine beim Unfallgegner liegt (z.B. wenn dieser auf das stehende Fahrzeug aufgefahren ist) der eigene Schaden nicht in voller Höhe erstattet werde und dem Unfallgegner zumindest ein Teil seines Schadens ersetzt werden müsse.

Auch wenn es ganz vereinzelt gerichtliche Entscheidungen gibt, die so oder ähnlich entschieden haben, kann jedoch ganz klar festgehalten werden, dass die vorstehend dargestellte Meinung NICHT zutrifft. Ohnehin ist zu unterscheiden zwischen einer Haftung für den Schaden eines anderen und der Frage, ob der eigene Unfallschaden möglicherweise nicht voll bezahlt wird.

Eine Haftung für den Schaden eines anderen setzt (vereinfacht gesagt) voraus, dass ein Verschulden, d.h. zumindest Fahrlässigkeit vorliegt, oder dass sich die von einer Sache, für die man die Verantwortung trägt, ausgehende Gefahr realisiert hat (Gefährdungshaftung). Ein Verschulden ist jedoch nicht gegeben, da keinerlei Verstoß gegen irgendwelche Regeln (Gesetze) vorliegt. Eine Haftung aus der Betriebsgefahr des Fahrzeugs ist ebenfalls nicht gegeben, da eine relevante Erhöhung der Betriebsgefahr des Fahrzeugs als solchem, die sozusagen einen eigenen Haftungstatbestand begründen könnte, nicht vorliegt.

Für den eigenen Schaden gilt, dass allenfalls ein Verstoß gegen die Pflicht vorfliegen könnte, den eigenen Schaden so gering wie möglich zu halten. Es hängt aber sicherlich sehr vom Einzelfall ab, ob ein Unfallschaden mit oder ohne Anhängerkupplung höher oder niedriger ist, der Schaden kann mit Anhängerkupplung niedriger sein als ohne und umgekehrt. Wenn man aber schon gar nicht im Vorhinein sagen kann, ob es sich überhaupt schadenserhöhend auswirkt, dass die Anhängerkupplung montiert ist, kann dies auch keinen Pflichtverstoß darstellen. Auch eine Kürzung des eigenen Schadens wegen einer montierten Anhängerkupplung kommt daher rechtlich nicht in Betracht.

Das Ergebnis ist damit eindeutig: Auch eine abnehmbare Anhängerkupplung darf am Fahrzeug montiert bleiben, es gibt keine gesetzliche Regelung, die den Halter oder Fahrer des Fahrzeugs zwingt, die Anhängerkupplung abzunehmen, wenn diese nicht in Benutzung ist.


Wir weisen darauf hin, dass bei einem Unfall müssen immer die konkreten Umstände des Einzelfalles geprüft werden müssen. Darüber hinaus ist – schon zur Wahrung der „Waffengleichheit“ gegenüber der regulierenden Haftpflichtversicherung – die Hinzuziehung eines Rechtsanwaltes ratsam, um keine Nachteile zu erleiden.

Wir beraten und vertreten Sie bei einem Unfallschaden fachlich fundiert und engagiert.


Rechtsanwalt Martin Jäger

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